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Frankfurt, den 11.02.2014

"Die Technologie, die läuft von alleine"

Abschlussdiskussion am zweiten Tag der Veranstaltung „Innovative Lösungen für die Mobilität von morgen“ im HOLM-Forum"

 

Zeiten, in denen Verkehrsträger wechselseitig gegeneinander ausgespielt worden sind, liegen hinter uns. Heute beschäftigt sich die Mobilitätsbranche mit der Frage, wie die Verkehrsträger verknüpft und die Infrastruktur für die Verkehrsträger finanziert werden kann. Diese Fragen haben zum Abschluss des zweiten Tages der Konferenz "Innovative Lösungen für die Mobilität von morgen" Kai Probst (T-Systems), Dr. Walter Hecke (Geschäftsführer Trafficpass Holding), Martin Russ (Austria Tech) und Volker Sparmann (Mobilitätsbeauftragter des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung) im HOLM-Forum diskutiert. Wir dokumentieren die Debatte in Ausschnitten.

 

Herr Probst, klare Zuständigkeiten bei der Autobahnmaut, ein Portal für alle Mobilitäts-Apps, was können wir von Österreich lernen?

Probst: Ich glaube, wir können vieles lernen, aber ich glaube auch, dass wir voneinander lernen können. Wenn es darum geht, schnell und flexibel auf Anforderungen zu reagieren, ziehen wir gerne die Kollegen in Wien zu Rate. Die Umgebung ist dort etwas flexibler als bei uns. Unsere Prozesse sind manchmal auch etwas schwerfällig. Ja, aber auf der anderen Seite hat das Thema Maut auch Jahre gedauert. Das heißt,  wir sind da vielleicht ähnlich aufgestellt von der Mentalität.

Herr Dr. Hecke, wenn wir über innovative Lösungen sprechen für die Mobilität von morgen, wo sehen Sie da die Prioritäten?

Dr. Hecke: Ich bin 2001 als Autobahnfritze angetreten, und damals habe ich mit Herrn vom Walde, der damals die ÖVP geleitet hat, eine gemeinsame Pressekonferenz gegeben.  Ich habe damals gesagt, die beste Bahn ist die Autobahn. Und dann schlief sein Gesicht ein, und die Journalisten haben furchtbar gelacht. Das war damals der auch von der Politik geförderte Streit, Schiene statt Verkehrslawine. Das war ein Slogan, den der österreichische Verkehrsminister alle zwei Minuten in den Mund nahm. Und das haben wir Gott sei Dank hinter uns. Das heißt, wir denken heute darüber nach, ob wir kooperieren können. Wie können wir die Systeme so zusammenführen, nämlich zum Wohle des Kunden, dass er leichter mobil ist?

Wie können wir die Systeme
so zusammenführen, nämlich
zum Wohle des Kunden?

Und daher bin ich jetzt ein kühner Verfechter von Intermodalität und Interoperabilität, wobei diese beiden Begriffe durch unterschiedliche Geschwindigkeiten fahren. Also wenn man an das Dienstprojekt der Europäischen Kommission denkt, dann ist es erschütternd, dass man in sieben Jahren überhaupt nichts zusammenbringt. Aber ich bin trotzdem guter Hoffnung, dass wir auf diesem Weg erfolgreich sein werden, wenn sich alle letztlich im Klaren sind, dass der Kunde den Nutzen haben muss und nicht der einzelne Politiker oder die einzelne Gesellschaft. Das ist ein schwieriger Entwicklungsprozess auch für Politiker.

Herr Russ, wo setzen Sie die Priorität, wenn wir über innovative Lösungen sprechen?

Russ: Wir müssen kooperative Systeme etwa zwischen Fahrzeug/Fahrzeug und Fahrzeug/ Infrastrukturthemen auf der Straße weiter voranreiben, weil es einfach die Verkehrssicherheit erhöht, weil es aber am Ende auch das Verkehrsmanagement verbessert, auch intermodal verbessert. Wir müssen mit unserer Denke aus den Silos herauskommen, nicht in den Silos drinnen. Ich glaube, da ist man aber auch gemeinsam dran. Das ist unseren deutschen Kollegen genauso wichtig wie uns. Das stimmt mich durchaus positiv, dass wir da schon auf einem guten Weg sind.

Genauso das Thema grenzüberschreitende Information, auch multimodal. Die Verkehrsauskunft ist momentan ein multimodales System. Die ASTINAC in Österreich macht den Projektlead. Der Autobahnbetreiber ist der Integrator, weil er vielleicht für die anderen, für die Verbünde, für die ÖV-Betreiber am Ende das geringste Übel ist.

Ist die erfolgreiche Integration verschiedener Verkehrsträger nicht ein Wettbewerbsvorteil für Europa, wenn es darum geht, Mobilitätskonzepte für die Zukunft zu entwickeln, die wir womöglich auch verkaufen können?

Russ: Das sehe ich auch so, wobei ich nicht weiß, ob wir die  über Europa hinaus verkaufen können. Aber wir sollten zumindest unsere Systeme, die wir in Europa entwickeln, auch im europäischen Markt mit entsprechenden Revenues einsetzen können. Das stärkt letztlich auch unsere Wettbewerbsfähigkeit. Ob wir das in Japan oder irgendwo anders realisieren können, weiß ich nicht. Tokio hat ein stringent, effizient organisiertes Verkehrssystem. Aber die Straße ist für sich, die Bahn für sich. Beides funktioniert super, aber wirkliche Verknüpfungen gibt’s dort nicht.

Tokio hat ein stringent,
effizient organisiertes Verkehrssystem.
Aber die Straße ist für sich,
die Bahn für sich.
Beides funktioniert super,
aber wirkliche Verknüpfungen
gibt’s dort nicht.

Herr Probst,  wo sehen die Priorität, wenn wir über innovative Lösungen sprechen?

Probst: Ich glaube, die Technologie, die läuft von alleine. Da brauchen wir keine Prioritäten setzen. Ich glaube, die Technologie ist so weit ausgereift, die wird sich auch weiter entwickeln und wird auch treiben, weil genügend Innovationskraft da ist. Was ich heute gelernt habe von meinen Kollegen ist das Thema Allianzen. Wie gehe ich denn tatsächlich damit um. Die komplexe Welt da draußen zu beherrschen, zumindest in Europa, das wird entscheidend sein Die Frage ist, wie wir uns zusammenfinden, sowohl die Politik wie auch die Wirtschaft.  

Wir müssen über die Legislaturperiode hinaus zu schauen, also nicht nur die Vier- oder Fünf-Jahres-Perioden betrachten. Wir diskutieren auch, mit unserer Lösung in asiatischen Ländern aufzuschlagen, in amerikanischen und südamerikanischen Ländern. Das ist eine andere Mentalität, eine andere Kultur mit anderen Anforderungen. habe den Eindruck, dass wir immer mit einer sehr hohen Technologie dort aufschlagen und meinen, wir müssten es können, dass wir es übertragen können. Aber wir berücksichtigen nicht, was eigentlich lokal da ist. Bei uns in Europa haben wir Länder, die hoch technologisiert sind, die wunderbare Mautsystemlösung mit GPS haben. Aber die Frage ist, ist es notwendig dort? Reicht da vielleicht auch eine Vignette aus? Da sehe ich aus meiner Sicht die Prioritäten.

Herr Sparmann, das letzte Wort kommt von Ihnen für diese Diskussionsrunde heute.

Sparmann: Also zunächst muss ich mal sagen, die Konferenz zeigt, wie wichtig solche Veranstaltungen sind, wie wir sie hier erleben. Ich bin Cubic dafür sehr dankbar, weil das zeigt, dass wir nicht nur Papier bewegen, sondern auch mal ganz konkrete Anwendungsfälle diskutieren. Und insofern hat es sich gelohnt, dass ich all die Menschen hier vertiefend kennenlernen konnte. Das werden wir fortsetzen, weil diese Allianzen nicht zuletzt nur durch Menschen gebildet werden. Weil wir dann jeder an unserer Stelle da auch was zusammenbringen können, zeigt, dass die HOLM-Philosophie mit der Plattform hier auch stimmt.

Ich hoffe, dass wir uns
zumindest im deutschsprachigen Raum
in Allianzen zusammenfinden

Das Zweite: Es gibt intelligente junge Buben, die etwas entwickeln und dann in den Markt stellen, von denen wir Anwender überhaupt gar nichts wissen. Das heißt, wir sollten diese Plattform, die wir haben, erweitern, damit nicht neben uns lauter Dinge entstehen, die wir gar nicht mehr im Griff haben. Und das Dritte ist, wir sollten uns wieder in Wien treffen. Ich hoffe, dass wir zumindest mal im deutschsprachigen Raum, und da zählen auch die Schweizer dazu, uns in Allianzen zusammenfinden, dann wird’s weitergehen. Meine Hoffnung ist, lieber Herr Schultheis, dass das jetzt nicht das Schlusswort ist, sondern der Anfang für eine Brücke, dieses Thema wirklich voranzubringen. Die Umsetzung, das wird mir auch deutlich, da müssen wir noch dran bleiben. Insofern bedanke ich mich vor allen Dingen beim HOLM und bei Ihnen allen.

Moderation: Jürgen Schultheis (HOLM)

Pressekontakt:


Jürgen Schultheis

House of Logistics & Mobility (HOLM) GmbH
Geschäftsbereich Netzwerk & Kollaboration
Bessie-Coleman Straße 7
Gateway Gardens
60549 Frankfurt am Main

Tel.: + 49 69 / 240070-556

E-Mail: juergen.schultheis@frankfurt-holm.de

Web: www.frankfurt-holm.de